Tierheimpool



Der Wunsch sich ein Haustier anzuschaffen ist vielen Menschen in die Wiege gelegt. Trotzdem zeigen die Zahlen der verweisten Tiere in den Tierheimen, dass niemand diesen Wunsch leichtfertig befriedigen sollte.

Etwa 500.000 Tiere jedes Jahr werden ausgesetzt. Sie wurden ihren Haltern lästig oder passten einfach nicht mehr ins Budget und die Wohnbedingungen. Auf Tierheimpool möchten wir Sie einladen, sich näher mit der Mensch-Tier-Beziehung auseinanderzusetzen. Gehen Sie in sich, bevor Sie sich für einen Stubentiger, einen Hund, ein Pferd oder ein exotisches Tier entscheiden.

Haustiere - treuste Freunde des Menschen

Seit etwa 135.000 Jahren hält der Mensch vermutlich Haustiere. Erstrangiges Ziel war es, durch Haustierhaltung die Mühen der Jagd zu minimieren und den Schutz des Hauses zu gewährleisten. Die längste nachgewiesene Rolle des Haustieres, im Sinn der Mensch-Tier-Beziehung, fällt dem Hund zu. Funde belegen seine Domestikation auf einen Zeitraum von etwa 13.000 vor Chr.

Katzen traten in die Rolle des Haustieres vor etwa 9000 Jahren ein. Schon damals übernahm der Stubentiger seine klassische Aufgabe, Mäuse aus dem Haus fernzuhalten. Abhängig vom Kulturkreis, fügte sich die Verehrung der Katze als Sinnbild der Fruchtbarkeit und Mutterliebe an. Im Mittelalter kam der Aberglaube eines dämonischen Tieres zur Begleitung der Hexen auf.

Tierhaltung in Deutschland - Gegenwart

Etwa 30 Millionen Haustiere leben in den Haushalten Deutschlands. Den Löwenanteil der tierischen Mitbewohner stellen Katzen mit etwa 12.9 Millionen Tieren. Etwa 33 Prozent aller Katzenhalter besitzen mehrere Katzen. Es folgen in der Statistik die Hunde mit etwa 7,9 Millionen Tieren in privaten Haushalten. Die meisten von ihnen begnügen sich mit "nur" einem Hund.

Schon die schiere Anzahl zeigt, Haustiere gehören zum Alltag vieler Menschen in Deutschland. Die Mehrheit der Tierhalter geht mit den tierischen Mitbewohnern verantwortungsvoll um. In der zunehmenden Zahl der Singlehaushalte nimmt das Haustier sogar fast den Stellenwert eines menschlichen Familienmitgliedes ein.

Trotzdem darf dies nicht über die Kehrseite der Medaille hinwegtäuschen. Tierheime in Deutschland nehmen pro Jahr etwa 500.000 herrenlose, ausgesetzte Tiere auf. Die Ausrichtung der Tierheime ist den beiden Lieblingstieren der Deutschen geschuldet. - Hunde und Katzen bevölkern die Tierheime. Für eine Erweiterung auf Großtiere und Exoten fehlen der Platz und vor allem das Geld.

Aufgabe der Tierheime - gelebter Tierschutz

Die Aufgabe der etwa 750 Tierheime in Deutschland ist es, Tiere aufzunehmen, zu versorgen und in gute Hände zu vermitteln. Viele der Tiere, die täglich abgegeben werden, sind in keinem guten Zustand. Sie bedürfen der tierärztlichen Versorgung und müssen zunächst "aufgepeppelt" werden. Diese Aufgabe ist sehr zeit- und personalintensiv.

Tätig sind fast ausschließlich ehrenamtliche Helfer. Tierärzte opfern ihre Freizeit, oft sogar die selbst bezahlten Medikamente, um den herrenlosen Tieren zu helfen. Getragen werden die Kosten für den Betrieb eines Tierasyls überwiegend aus Spenden. Leider ist die Spendenbereitschaft in den letzen Jahren extrem zurückgegangen.

Immer mehr Tierheime befinden sich in einer finanziellen Schieflage. Sie können es aus finanzieller Sicht kaum noch schaffen, den eigenen Ansprüchen der Tierliebe und des Tierschutzes gerecht zu werden. Räumlich platzen sie buchstäblich aus allen Nähten. Die meisten Tierheime müssten dringend vergrößern, um überhaupt ausreichend Platz zur Notaufnahme zu bieten.

Warum geben Tierhalter ihre Haustiere auf?

Fundtiere und abgegebene Tiere sprengen vieler Orts mittlerweile die Leistungsfähigkeit der Tierheime. Das Bild vom herzlosen Tierhalter, der sein Haustier aus rein egoistischen Erwägungen aussetzt, trifft oft nicht zu. Etwa 75 Prozent aller Haustiere, die im Tierheim landen, werden aufgegeben, da Besitzer eine artgerechte Haltung nicht mehr sicherstellen können.

"Finanzielle Not" ist das Hauptargument, warum Tierbesitzer ihre Haustiere im Tierheim abgeben wollen. Hinter dem Schlüsselbegriff verbergen sich oft sehr traurige Schicksale. Ein häufig genannter Grund, wie es zu dem finanziellen Engpass kommt, ist Harz 4. Das Arbeitslosengeld 2 wird ausschließlich nach menschlichem Bedarf kalkuliert.

Das Haustier passt nicht in den Regelbedarf. Erschwerend kommt hinzu, dass das Amt Tierhalter oft zum Umzug in eine kleinere Wohnung auffordert. Neben dem Geld für eine tiergerechte Ernährung fehlt nun plötzlich Platz. Obendrein ist ein Umzug mit Haustier keines Wegs sicher. Viele Vermieter dulden Haustiere in der Wohnung nicht.

Umso frustrierender ist es für verarmte Menschen, dass das Tierheim bei der Abgabe von Haustieren, die Hand aufhält. Aufnehmen können die Tierheime Haustiere aus privaten Beständen aber leider nur, wenn der frühere Halter "Kostgeld" für seinen Schützling abgibt. Zu beobachten ist daher ein Anstieg der ausgesetzten Haustiere direkt in der unmittelbaren Umgebung von Tierheimen.

Herrenlose Tiere finden - was ist zu tun?

Herrenlose Tiere sollte niemand einfach unbeachtet ignorieren. Ausgesetzte Tiere befinden sich in einer akuten Notsituation. Obwohl die Vorfahren der Hunde und Katzen der Wildbahn entstammen, sind die meisten Haustiere nicht in der Lage sich selbst zu ernähren. Sie sind oft unterernährt und dehydriert. Selbst in dieser Situation zur Tat zu schreiten, könnte gefährlich sein.

Vermeintlich harmlose Haustiere können aus der Notlage heraus "neben sich stehen". Besser, als selbst zu versuchen das Tier einzufangen ist es, Polizei, Feuerwehr oder den Tierschutz zu informieren. Den genannten Institutionen fallen dabei zwei Aufgaben zu. Sie müssen das Tier einfangen und dafür sorgen, dass es wieder ausreichend versorgt wird.

Die Polizei hat außerdem die Aufgabe zu versuchen, den Tierhalter zu ermitteln. Ein Tier auszusetzen ist strafbar. Viele vermeintlich ausgesetzte Haustiere stehen allerdings sogar auf der Vermisstenliste von Tasso. (24-Stunden-Hotline: 06190-937300, www.tasso.net). Sie wurden nicht ausgesetzt, sondern werden als "Familienmitglied" vermisst.

Selbst zum Tierhalter werden - Verantwortung übernehmen

Auf Tierheimpool gehen oft Menschen, die sich grundsätzlich mit dem Gedanken tragen - in verantwortungsvoller Weise - ein Haustier anzuschaffen. Sie wählen den richtigen Weg und informieren sich zunächst, statt sich für einen Spontankauf zu entscheiden. Bei den grundsätzlichen Überlegungen unterstützen wir neue Tierhalter gern mit Informationen.

Die zentrale Frage ist natürlich, welches Tier passt zum Halter. Sofort aus den Gedanken verbannen sollten unerfahrene Tierhalter vermenschlichte Vorstellungen von der Tierhaltung. Nicht jeder Collie ist "Lassie" nicht jedes Pferd "Back Beauty". Tiere sind ebenso individuell verschieden, wie Menschen.

Welche Tiere überhaupt als Haustier infrage kommen, entscheidet die eigene Lebenssituation. Eine kleine Wohnung in der Stadt und ein Vollzeitjob qualifizieren nicht gerade zur Tierhaltung. Die Unterbringung muss artgerecht sein. Tiere sind keine Maschinen, die auf Bedarf "an" und "aus" gestellt werden könnten. Sie nehmen Zeit, Platz und Geld in Anspruch.

Grundsätzliche Voraussetzungen zur Tierhaltung

Der Kaufpreis eines Tieres ist nichts im Vergleich zu den Haltungskosten bei artgerechter Tierhaltung. Ein kleiner Hund oder eine Katze kosten, ohne Gesundheitsvorsorge, ggf. Steuern und Versicherung etwa 50 Euro im Monat. Beim Hund sind die Hundesteuern mit bis zu 156 Euro jährlich zu bedenken.

Unterschätzt wird von Hunde- und Katzenhaltern der Faktor "Zeit für das Haustier". Die Verantwortung für ein Tier umfasst 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr. Ausreichend Auslauf zu ermöglichen, ist keine Frage des schönen Wetters. Jeder Hund muss mindestens zwei Mal täglich vor die Tür, egal ob es regnet oder schneit.

Tür auf Katze raus, ist eine Unverschämtheit gegenüber den Nachbarn. Sie möchten im Blumenbeet oder der Sandkiste keine Hinterlassenschaften vorfinden. Vielleicht möchte ein Nachbar auch seinen Kuchen in Ruhe auf den Gartentisch stellen können oder seinem Kanarienvogel etwas Frischluft gönnen.

Verantwortungsvolle Tierhaltung ist nicht jedem möglich

Verantwortungsvolle Tierhaltung muss für das Haustier ausreichend Bewegungs- und Entfaltungsraum schaffen. - Aber ohne die Freiheiten und Wünsche anderer Mitmenschen dem Zweck unterzuordnen. Hunde bellen, aber trotzdem verlieren die allgemeinen Ruhezeiten ihre Gültigkeit nicht.

Ohne einen Hund kann man leben, ohne einen Job nicht. Tiere den ganzen Tag lang unbeaufsichtigt zu lassen, ist eine Zumutung für die liebsten Haustiere der Deutschen. Jeder Hund und jede Katze möchte Familienanschluss haben. Nur, wer diese minimalen Voraussetzungen schaffen kann, der sollte überhaupt über eine Katze oder einen Hund als Haustier nachdenken.

Alternativen zu Hund und Katze

Kann ausreichend Zeiteinsatz nicht gewährleistet werden, das Haustier soll in erster Linie "dekorativen Charakter" haben, gibt es zahllose Alternativen. Ein Aquarium kostet eine Stunde Zeit in der Woche. Es sieht schön aus, die Wohnung wirkt nicht mehr leblos. Fischen ist es egal, ob der Besitzer Zeit für eine persönliche Ansprache hat. Emotionale Bindungen bauen Fische zum Menschen nicht auf.

Noch zu viel Arbeit und nicht exotisch genug? Wie wäre es mit einer Vogelspinne? Die Spinne sitzt den ganzen Tag auf dem gleichen Platz. Einmal die Woche ein Heimchen gefüttert und die Arbeit ist erledigt. Saubermachen muss nicht oft sein. Höchsten alle 4 Wochen einmal die Spinnweben entfernen und Essensreste beseitigen.

Passen Fische oder die Vogelspinne einmal nicht zur persönlichen Zeitplanung, kein Problem. Im Urlaub übernimmt der Futterautomat die Speisung der "Haifische". Die Spinne kommt auch ganz gut für 4 Wochen Urlaubszeit ohne Futter und Wasser aus. Mit etwas Glück nutzt sie die Zeit der Ruhe und häutet sich.

Hund halten - was kommt auf Hundehalter zu?

Als bester Freund des Menschen wird der Hund bezeichnet. Ein Hund ist immer für sein Herrchen oder sein Frauchen da. Er schützt das "Revier" und seine Familie. Er spürt, wenn etwas nicht in Ordnung ist und gleicht "Fehlentwicklungen" durch instinktive Handlungen aus. Seine Welt basiert auf der emotionalen Anbindung an seine Rotte (Familie).

Das Schlimmste, was einem Hund passieren kann, ist den Anschluss an die Meute zu verlieren. Sobald die Bezugspersonen das Haus verlassen, hängt die Fahne des Hundes auf Staatstrauer. Wie sich die Einsamkeit äußert, ist individuell ganz unterschiedlich. Einige stimmen ein wehklagendes Geheul an, andere "bestrafen" das Mobiliar, die Schuhe oder graben tiefe Löcher in den Rasen.

Ältere Hunde haben sich mit dem Schicksal der Einsamkeit abgefunden, sie leiden stundenlang still. Umso größer ist dann natürlich die Freude, wenn das "Familienoberhaupt" (das Oberhaupt aus Sicht des Hundes) wieder zurückkehrt.

Wer ist ein Hundemensch - welche Fähigkeiten muss er mitbringen?

Hundemenschen sind Führungspersönlichkeiten, die der natürlichen Hundeordnung offen gegenüberstehen. Sie sind gerecht (Hunde erkennen Ungerechtigkeit) und sehr gradlinig. Jeder Hund möchte Teil einer Gruppe sein, die ihm seinen charakterlich angestammten Platz zuweist. Ein guter Hundehalter orientiert sich am natürlichen Regelwerk der Hunderotte.

Er stellt hundgerechte Regeln auf, die vom rangniederen Haustier zu befolgen sind. Einen gut geführten Hund kann jeder auf eine Meile erkennen. Das Tier widmet fast permanent seine Aufmerksamkeit dem Hundeführer. Keinen Hund sollten sich Menschen anschaffen, die nicht bereit sind, Regeln aufzustellen und sie durchzusetzen.

Ohne eine für den Hund erkennbare Rangordnung ist er rettungslos überfordert. Der frömmste Hund kann dann zur Belastung werden. Bei einer erkennbar schwachen Führungsperson wird das Tier versuchen, sich selbst an die Spitze der Rangordnung zu stellen. Es ist damit nicht mehr kontrollierbar und für andere, vielleicht sogar den Halter, eine latente Gefahrenquelle.

Katze halten - damit müssen Katzenhalter rechnen

Katzen sind nicht nur durch ihren majestätischen Blick deutlich souveräner als Hunde. Eine Katze sieht sich in der Regel selbst als Mittelpunkt der Welt. Sie gibt Zuneigung, wenn es ihr gerade passt. Katzen teilen aus, wenn sie momentan ihre Ruhe haben möchten. Stubentiger sind in ihrem Selbstverständnis der Welt deutlich kompromissbereiter, wenn Herrchen oder Frauchen mal keine Zeit haben.

Wirklich erziehen lassen sich Katzen nur ganz bedingt. Sie sauber zu bekommen, ist kein Kunststück. Sogar auf die menschliche Toilette zu gehen, ist für den Stubentiger erlernbar. Aber alles, was darüber hinaus geht, wird schwierig. Katzen sind Individualisten und ordnen sich Sachzwängen nicht unter.

Für sie ist das Territorium der Dreh- und Angelpunkt ihrer heilen Welt. Im Gegensatz zum Hund fällt der Katze ein Umzug schwerer, als ein neues Herrchen oder Frauchen zu akzeptieren. Katzen laufen in den ersten Wochen häufig weg, wenn die Familie umzieht.

Wer sollte sich besser keine Katze anschaffen?

Keine Katze sollten sich Menschen anschaffen, die ihre wertvollen Möbel lieben. Der Kratzbaum ist kein sicheres Allheilmittel. Wenn die Mieze das Sofa vorzieht, wird sie nur schwerlich vom Gegenteil zu überzeugen sein. Menschen, die wert auf ordentliche Kleidung legen, sollten von Langhaarkatzen Abstand halten. Sie haaren immer, egal wie oft sie gebürstet werden.

Keine Katze anschaffen sollten sich außerdem Menschen, die für längere Zeit verreisen möchten. Obgleich jede Katze fähig ist, Mäuse zu fangen, können sich die meisten Hauskatzen nicht allein ernähren. Reinen Gewissens in den Urlaub oder auf Geschäftsreise zu gehen ist nur möglich, wenn jemand den Tiger füttert. Wer das macht, ist der Katze im Prinzip egal.

Haustiere aus dem Tierheim - second Hand ist kein Fehler

Hund oder Katze aus dem Tierheim zu holen, hat nichts mit "zweiter Wahl" zu tun. In 99,9 Prozent der Fälle, wenn Haustiere im Tierheim landen, ist es nicht die Schuld des Tieres. Gerade bei Hunden hält sich getreu das Ammenmärchen von der Prägephase, die für die Treue der Hundeseele maßgebend wäre.

Wer Treue mit mehrfachem Aufstehen in der Nacht verwechselt, um den Welpen stubenrein zu bekommen, für den mag das zutreffen. Haustiere aus dem Tierheim, auch ältere Hunde, werden ihrem hundgerecht handelnden Besitzer ebenso treu ergeben sein, wie Junghunde vom Züchter. Einen Tierheimhund in die Familie zu integrieren ist in den meisten Fällen nur leichter.

Vorteile hat außerdem die Möglichkeit, sich auf "Probe" gegenseitig besser kennenzulernen. Alle Tierheime bieten Tage, an denen Hunde ausgeführt werden dürfen. Wenige Besuche können schon ausreichen, um sich sicher zu sein, dass die Chemie passt.

Schlussappell von Tierheimpool:

Geben Sie Haustieren aus dem örtlichen Tierheim eine faire Chance. Wir sind sicher, dass Sie den Schritt nicht bereuen werden.